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Chirurgie weiterhin erste Wahl

Eine Narbe am Bauch kann man gut verstecken. Im Gesicht geht das nicht. Die Therapie von Kopf-Hals-Karzinomen gleicht deshalb einem Balance-Akt: Neben der Frage, was am besten zur Heilung hilft, müssen auch ästhetische Aspekte berücksichtigt werden.

Die chirurgische Therapie ist sehr häufig das Mittel der ersten Wahl. Dabei werden in der Regel auch gleich die Halslymphknoten entfernt und dem Pathologen vorgelegt. Sind sie befallen, wissen die Ärzte, ob eine zusätzliche Strahlentherapie sinnvoll ist. Auch wenn es nicht gelingt, den Tumor mit „Sicherheitsabstand“ herauszuoperieren, ist der Einsatz einer adjuvanten Strahlentherapie nach der Operation notwendig. Das Ziel: eventuell noch vorhandene Krebszellen töten.

Unterschenkel als Unterkiefer

Auch wenn die Diagnose Krebs in jedem Einzelfall für die Betroffenen ein schwerer Schlag ist: Moderne chirurgische Techniken haben die Therapie der Kopf-Hals-Karzinome nach Ansicht von Jochen Werner deutlich nach vorn gebracht und vor allem auch die Lebensqualität der Betroffenen angehoben: „Wir können unseren Patienten heute sehr viel besser helfen als vor 20 Jahren. Die Techniken haben sich einfach weiterentwickelt. Zudem sind alle Operateure bei uns zugleich ausgebildete plastische Chirurgen.“ Wie sich die verschiedenen Behandlungsverfahren auf die Lebensqualität der Patienten auswirken, steht Jochen Werner zufolge auch im Zentrum verschiedener Untersuchungen an der HNO-Klinik. Sein Kollege Andreas Neff ergänzt: „Ästhetische Gesichtspunkte spielen bei der Therapie von Kopf-Hals-Karzinomen eine zentrale Rolle. Wir versuchen, unsere Patienten sowohl funktionell als auch ästhetisch so weit wie möglich wiederherzustellen.“ Das heißt, wenn einem Patienten Teile des Unterkiefers entfernt werden müssen, ersetzen Neff und seine Mitarbeiter diese mit Knochentransplantaten, die sie dem Patienten zuvor entnommen haben, beispielsweise am Unterschenkel oder am Becken. „Das Wadenbein wird dabei mitsamt der Gefäße entnommen und am Hals wieder angeschlossen.“ Anschließend formt der Chirurg die Knochen so, dass sie die Form des Unterkiefers wiedergeben. „Weichteildefekte“, die durch die OP entstehen, können ebenfalls repariert werden. Möglich macht das ein Operationsverfahren, das als Lappenplastik bezeichnet wird. Dabei werden Hautpartien von einer weniger sichtbaren Körperstelle des Patienten auf eine andere übertragen. Löcher in der Wange können so zum Beispiel mit Hautlappen aus dem Rücken oder aus dem Oberschenkel „gestopft“ werden. Wenn es geht, setzen die Chirurgen auch künstliche Knochen ein. „Mit computergefrästen Titanimplantaten kann man Teile des Unterkiefers oder des Kiefergelenks ersetzen“, erklärt Andreas Neff. Das sei aber nur am Stellen möglich, an denen viele Muskeln vorhanden sind, welche die Ernährung der Haut über dem Implantat sicherstellen. „Die Kinnspitze kann man daher nur mit körpereigenem Material ersetzen.“ Derartige Reparaturmaßnahmen sind Jochen Werner zufolge in den meisten Fällen aber gar nicht notwendig. „Allein durch geschickte Wahl der operativen Zugänge können erfahrene Operateure unschöne Narben vermeiden.“

Strahlentherapie

Auch wenn es nicht gelingt, den Tumor mit „Sicherheitsabstand“ herauszuoperieren, ist der Einsatz einer adjuvanten Strahlentherapie nach der Operation notwendig. Das Ziel: eventuell noch vorhandene Krebszellen töten. Ist ein Tumor schon sehr weit fortgeschritten und nicht mehr zu operieren, setzen die Marburger Mediziner von Beginn an auf eine Strahlen- oder eine kombinierte Strahlen-Chemotherapie. „Ein kleiner Tumor, der lokal gut reduziert worden ist, der keinen Lymphknoten- und keinen Knochenbefall hat, wird dagegen nicht obligat bestrahlt“, erklärt Andreas Neff.

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