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Vorsorge

Es gibt Faktoren, die Krebs fördern, aber auch präventive Maßnahmen. Professor Dr. Rudolf Arnold erklärt, was beim Thema Vorsorge wichtig ist.

Hätte man die Krebsentstehung verhindern können?

Professor Rudolf Arnold: Krebs kann man nicht verhindern. Er entwickelt sich, weil in der Erbmasse einer Zelle genetische Veränderungen aufgetreten sind, die dazu führen, dass sich die Zelle ungebremst teilt und/oder auch nicht mehr altern beziehungsweise sterben kann. Solche Veränderungen können in den Genen spontan entstehen oder vererbt werden. Vor den Folgen dieser Veränderungen können wir uns derzeit nur schützen, wenn wir die dadurch verursachte Krankheit rechtzeitig, das heißt vor deren Ausbruch, erkennen. Das ist auch der Sinn von Vorsorgeuntersuchungen.

Gibt es weitere Faktoren, die zu einer Krebserkrankung führen können?

Professor Rudolf Arnold: Vielfach sind für die Veränderungen in unseren Genen äußere Einflüsse verantwortlich. Das können krebserregende Stoffe oder auch krebserzeugende Viren oder Bakterien sein. Man kann also das Risiko, Krebs zu bekommen, dadurch verringern, dass man die gesunden Zellen unseres Körpers nicht krebserregenden Stoffen oder Infektionen durch Bakterien oder Viren aussetzt.

Welche Viren und Bakterien sind das genau?

Professor Rudolf Arnold: Ein Beispiel sind die humanen Papillomaviren oder die Hepatitisviren, gegen die heute eine Impfung zur Verfügungs steht. Hepatitisviren sind die Ursache der infektiösen Leberentzündung, einer Hepatitis. Diese führt im Falle einer B- oder C-Hepatitis dann, wenn sie nicht ausheilt, zunächst zu einer chronischen Hepatitis und dann zur Leberzirrhose. Auf dem Boden der Zirrhose kann Leberkrebs entstehen. Durch eine Impfung kann man heute die Infektion mit Hepatitis B verhüten. Papillomaviren verursachen etwa Warzen. Eine Untergruppe dieser Viren, Typ 18, die durch Geschlechtsverkehr übertragen werden können, kann Gebärmutterhalskrebs auslösen.

Welche Verhaltensweisen oder Genussmittel haben denn noch einen Einfluss auf eine mögliche Krebserkrankung?

Professor Rudolf Arnold: Das wohl wichtigste Beispiel für ein krebsauslösendes Agens ist das Rauchen. Es ist unbestritten, dass Rauchen Lungenkrebs, eine der leider immer noch häufigsten Krebsformen, auslösen kann. Rauchen ist aber auch für eine Reihe weiterer Krebsarten mitverantwortlich, nämlich für den Kehlkopfkrebs, für Lippenkrebs und Krebs der Nasennebenhöhlen. Dass es Menschen gibt, die trotz exorbitanten Nikotingenusses keinen Lungenkrebs bekommen, widerlegt die Auffassung nicht, dass die im Zigarettenrauch enthaltenen Substanzen zu den wichtigsten gesundheitsschädigenden Umweltstoffen zählen. Es gibt aber auch Nahrungs- und Genussmittel, die ebenfalls zu Krebs führen können. Dazu zählen übermäßiger Alkoholgenuss, Genuss von viel rotem Fleisch und Übergewicht. So kann Alkohol zur Leberzirrhose und darüber zum Leberkrebs führen. Alkohol spielt eine Rolle bei einer Reihe von weiteren Krebserkrankungen wie dem Speiseröhren-, Magen-, Kehlkopf-, Darm und Brustkrebs.

Gibt es denn Faktoren, die eine Entstehung von Krebs vermindern?

Professor Rudolf Arnold: Dazu gehören der Verzehr von Obst und Gemüse, von Ballaststoffen, ein normales Körpergewicht und Sport. Unter den Gemüsen haben sich vor allem Kreuzblütlergemüse und darunter vor allem der Brokkoli als wirksam erwiesen. So soll das Lungenkrebs-, das Brustkrebs- und auch das Blasen- und Dickdarmkrebsrisiko vermindert sein, wenn man mehr als dreimal pro Woche etwa Brokkoli und andere Kohlsorten wie Kohlrabi, Wirsing isst. Jedoch sollte das Gemüse am besten roh oder nur kurz, keinesfalls lange gekocht werden. Möglicherweise gibt es auch Arzneimittel, denen eine krebsverhütende Wirkung zukommt. Dazu zählen Acetylsalicylsäure, als „Aspirin“ bekannt, und die nichtsteroidalen Antirheumatika. Es fehlen aber noch Studien, um diese allgemein zu empfehlen.


Rauchfreies Krankenhaus

Uni­ver­si­tätskli­ni­kum Gies­sen und Mar­burg ist dem Deut­schen Netz Rauch­frei­er Kran­ken­häu­s­er bei­ge­tre­ten.

Am 20. bis 22. September 2006 wurde im Rahmen der 1. Konferenz des Netzes Rauchfreier Krankenhäuser, das Universitätsklinikum Marburg in das Deutsche Netz Rauchfreier Krankenhäuser aufgenommen. Bei diesem Modellprojekt gilt es nicht nur, rauchfrei zu werden, sondern auch Raucherberatung und Tabakentwöhnung in den Klinikalltag zu integrieren.

Im Rahmen der Auftaktveranstaltung überreichte die Bundesdrogenbeauftragte und zugleich Schirmherrin des Deutsches Netzes Rauchfreier Krankenhäuser, Sabine Bätzing, der Vorsitzenden des Arbeitskreis Gesundheit am Universitätsklinikum,  PD Dr. Gabriele Jaques, das Zertifikat der Mitgliedschaft. „Mit der Mitgliedschaft erklärt die Krankenhausleitung, dass im Krankenhaus die europäischen Standards für Rauchfreie Krankenhäuser umgesetzt werden sollen“, so der Kaufmännische Geschäftführer des Uniklinikums, Dr. Conrad. Krankenhäuser, die diesem Netz beitreten, spielen eine wichtige Rolle bei der Reduzierung des Tabakkonsums und seiner schädlichen Gesundheitsfolgen. Ihre Aufgabe besteht nicht nur darin, zum Schutz der Nichtraucher für eine rauchfreie Umgebung zu sorgen. Sie sind auch dazu verpflichtet, Raucher bei der Tabakentwöhnung aktiv zu unterstützen. Dies gilt sowohl für die Patienten wie auch für das Krankenhauspersonal. Deutschland ist einer von 20 europäischen Staaten, die über ein organisiertes Netzwerk Rauchfreier Krankenhäuser verfügen.

Sabine Bätzing gratulierte dem Netz Rauchfreier Krankenhäuser ausdrücklich zur Auszeichnung durch EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou. Dieser hatte das Projekt am 12. September 2006 in Brüssel im Namen des European Network of Smoke Free Hospitals (ENSH) als innovatives, zukunftsfähiges und rasch wachsendes Netzwerk ausgezeichnet. Insgesamt sind 80 Krankenhäuser und Reha-Kliniken Mitglied im Netz Rauchfreier Krankenhäuser, das Klinikum Marburg ist als erstes Universitätsklinikum beigetreten, so berichtet Jaques. „Rauchen ist eine Sucht, die viele ablegen wollen, es aber ohne Unterstützung nicht schaffen. Wir schicken die Raucher nicht einfach nur vor die Tür, sondern bieten ihnen bestmögliche Chancen in ein rauchfreies Leben einzusteigen“.

Die gesundheitlichen Schäden durch Rauchen sind hinlänglich bekannt. Deshalb muss Nichtrauchen in öffentlichen Räumen eine Selbstverständlichkeit werden. Eine Mehrheit der Bevölkerung wünscht eine rauchfreie Umgebung – vor allem im Krankenhaus. Krankenhäuser haben den Auftrag zur Heilung, zur Pflege und Versorgung, zur Prävention und Gesundheitsförderung und zur Forschung und Fortbildung.

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